Rückblick Teil 3 von 8 – Suchen & Finden

Wer suche der wird finden

…sagte mal irgendeiner der immer alles besser wusste… und er hatte recht!!!

Allerdings brauchten wir ein paar Anläufe, denn so gaaaaanz stimmte der Spruch erst mal nicht. Nun als wir auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer waren… wurden wir enttäuscht. Auch das verschwundene Nazigold fiel uns nicht in die Hände… die Arche Noha… lächerliche Legende.

Mister Burns

Anstelle des Reichtums brachte uns das Schicksal einen alten, unterernährten, knochigen und mürrischen Holländer, dem wir unseren Start in Ungarn zu verdanken haben. Viel viel später erfuhren wir zwar, dass er uns von vorn bis hinten bescheißen wollte – jedoch konnte Bianca rechtzeitig die Reißleine ziehen. Dennoch half uns dieser nach billigen Kippen und Kaffee riechende Holländer – nennen wir ihn Mister Burns – über die ersten Hürden unser Objekt zu finden. Wir haben wirklich viel angeschaut, sehr sehr viel… Bruchbuden, zu klein, zu viel Grundstück, zu wenig Grundstück… es war eine Tour durch die ungarische Puszta vom Feinsten.

Csikéria – Klein & Fein

Nun… wir fanden es. Kein Schmuckstück, Kein kompletter Abfall, irgend ein Mittelding mit dem wir unsere Vorstellungen verwirklicht sehen. Damals wie heute. Das Grundstück super groß für unsere Bedürfnisse. Keinen einzigen direkten Nachbarn mehr (Den Einzigen zog es des Alters wegen in die Stadt), vor der Tür Feld und Wald, so dass auch wenn unsere Hunde ausbüchsen – und sie büchsen regelmäßig aus – nicht gleich auf einer Bahnschiene oder einem Hungary Highway spazieren gehen.

Mit einer ungeplanten weiteren Übernachtung mit Mister Burns – der es als ganz natürlich ansah, dass man ihn im besten Hotel der Stadt zum Nächtigen und Essen einludt – hatten wir einen Tag später den Vorvertrag in der Tasche. Es war genau einen Tag vor Weihnachten. Ein tolles Geschenk!

Mit einem breitem Grinsen im Gesicht blieben wir eine weitere Nacht im Hotel und genossen die Luft unserer bald neuen Heimat. Das war wirklich fantastisch.

Eine letzte Rückreise nach Deutschland

Augeschlafen und gut gelaunt – konnten wir nicht gleich losfahren. Ein gutes Ohmen – Ungarn mag uns 🙂 Das Auto ließ sich ums verrecken nicht starten. Noch eben einen kleinen Abstecher zum Kfz-Schrauber gemacht, der dann mit einem Grinsen im Gesicht mit der Pinzette ein Stück von Biancas abgebrochenem Kunstfingernagel – mit Glitzerstein (also doch Bernsteinzimmer) – aus dem Zündschloß zog und sagte:

Steckst Du da Schlüssel, nicht Finger rein, dann geht!

Man kann sagen was man will, man spürt in der neuen Umgebung eine Art Goldgräberstimmung. Endlich was neues. Ein Projekt. Bevorstehende Probleme, gefolgt von gefeierten Lösungen – es ist unbeschreiblich schön zusammen seine Träume Schritt für Schritt ganz ohne Hektik in die Tat umzusetzen.  Ohne Hektik heisst, dass wir bereits 5 Monate später ausreisten 😀

Und die Moral von der Geschicht?
Ungarn ist geil – könnt ihr glauben oder nicht!

In der nächsten Folge:
Aufbruch, Waffelbruch, Steinbruch… das Umzugschaos beginnt.

Rückblick – Teil 2 von 8 – Bund fürs (neue) Leben

Lang hats gedauert – knapp 38 Jahre um genau zu sein…. bis ich den Unterschied zwischen Schwärmerei oder Jugendliebe und diesem Gefühl kennenlernen durfte:

Mayday, mayday… Herz an Hirn, Herz an Hirn!!! Überdruck in linker und rechter Herzkammer, Systole nicht mehr messbar – komische Flieger sehen aus wie Schmetterlinge….  man Hirn…. ich muss Rackern wie ne Sau – Herzrasen – was’n passiert??????? Hirn: Karsten hats erwischt – verknallt Du Idiot, halt’n Rand und schlag einfach weiter, passt schon das muss so sein! Komm gib Gummi, ich brauch Sauerstoff!!!

Egal wie jedem seine Vergangenheit aussieht… es hat mich geflashed – bis heute – und ganz egal ob wir nun ausgewandert wären oder ne Strumpfhalterfarbrik eröffnet hätten – ich will die Frau heiraten.  Endlich die richtige Frau – ich merks einfach. Fühlt sich so… echt an. Wenn man sich unedlich wohlfühlt und es nicht aufhört.

Willste mit mir gehen?

Antrag relativ ungwohnt: Die Frage aller Fragen…. wie machen? mmmmmhhhh „Willste mit mir gehen?“
Why not – hat schon bei Opa funktioniert.

Also anstatt Zettel einfach ins Handgelenk geritzt. Mit Tattoofarbe. Und Bianca hat ein ja eingeritzt.

Im kleinsten, kleinsten kici mini fuzzi Familien- und Freundeskreis gaben wir uns das Ja, quatschten währenddessen noch die Standesbeamtin voll sie soll doch ihre einfallslose Rede lassen, die sie jetzt bereits das 768te mal vorgelesen hat…

„Das kennen wir alles schon – komm auf’n Punkt“. Wir wollen jetzt Ja sagen und Knutschen man“

Ja!!! *Knutsch*

Rückblick – Teil 1 von 8 – Auswanderungspläne

Im Sommer 2016 war durch Zufall unser Urlaubsziel erstmalig Ungarn. Warum Ungarn?

Wie jedes Jahr suchten wir vergeblich ein Ferienhaus in dem es erlaubt war Hunde mitzubringen die über Rattengrößer drüber hinausgehen. Jeder Hundebesitzer der wie wir unerzogene Hunde besitzt legt Wert darauf, dass das Grundstück hoch eingezäunt ist, es Spielmöglichkeiten gibt, Abkühlung im Sommer und dass auch die eigenen Bedürfnisse wie Badengehen, Einkaufen usw möglich sind, ohne dass ein genervter Nachbar auf Hundegebell reagiert weil die Hunde eben nicht immer dabei sein können was man im Urlaub so unternimmt.

Durch einen Kontakt von Bianca bekamen wir genau so ein Haus zu unseren Vorstellungen, zum günstigen Preis bei total netten Leuten weil ein anderer Urlauber abgesagt hatte.

Puszta wir kommen!

Nun… nicht wie 90% aller Deutschen verschlug es uns nicht an den Plattensee, sondern in die Puszta. Süden, Süden, Süden Stopp!!! Kiskunfélegyháza war die nächste Stadt – unweit unseres Urlaubdomizils bei Angi & Rob. Die beiden – wir lernten sie dort erst kennen – sind die Vermieter unserer Urlaubs-Tanya. Nein Tanya ist keine vollbusige Prostitutierte die den Urlaub schön machen soll – nein Tanya nennt man in Ungarn die Bauernhäuser die nicht mehr in den Stadtgrenzen befindlich sind.

Tanyas haben Vor- und Nachteile. Einerseits zahlt man weniger Steuern für solche Häuser was ein Vorteil ist gerade wenn man mehrere Objekte besitzt. Nachteil ist, oft sind diese Häuser nur mit Offroad Fahrzeugen erreichbar am  besten mit einem Jeep oder SUV. Wer die Puszta besucht und auf eine Tanya muss oder sie anfahren muss: bitte lasst eure tiefergelegten hochpolierten 3-er BMWs und getunten Golfs zu Hause. Die bringt ihr nur ohne Auspuff sicher ans Ziel.

Unverdorben, freundlich, nicht-deutsch

Nun, wir verliebten uns in das Land. Die Unverdorbenheit der hier Lebenden. Hier ist nicht wichtig welche Jeans man trägt oder wie teuer die erste Rolex war. Damit kommt man hier nicht weit. Auch wer meint er muss hier nach Luxus Ausschau halten. Ferraris, Dolce Gabbana, 6-stelliger Jahresverdienst, Herrenhaus und Toskanvilla, Toilettenpapierspender aus Elfenbein… *Kotz* …  sowas findet man am Balaton. Dort ist alles schön eingedeutscht und alles genauso doof wie in Deutschland. Bildzeitung, Spiegelei, keiner spricht ungarisch alle nur deutsch uuuuuuuund: deutsche Preise. Fast so teuer wie in Deutschland. Ungarische Lebensweise: Null. Also was für Leute die eigentlich keinen Arsch in der Hose haben und richtig auswandern wollen und nur mit den Euroscheinen wedeln wollen. Der dumme Ungar wird sich dann schon bewegen.

Für uns stand fest:  So wenig wie möglich Deutschland.

Fremde Sprache, fremde Sitten, fremde Probleme. Ausländer sein. Randgruppe sein. Kein Anspruch auf Leistungen zu haben. Auf sich allein gestellt sein. Alles dreimal nachfragen. Die fremde Sprache lernen. Kollege sein und Hilfsbereitschaft zeigen. Dazu waren wir bereit. Wir wollten genau das.

Wir entschieden uns noch im Urlaub:
LET’S GO TO HUNGARY!!!